Anzug mit Weste, Krawatte oder Fliege

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    Bion
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    Anzug mit Weste, Krawatte oder Fliege

    Die Kombination aus Jacke, Hose und Weste wurde im Jahr 1666 von König Karl II. von England eingeführt. Der König selbst bevorzugte schlichte, schwarze Samtwesten. War die Weste ein enganliegendes, knielanges Kleidungsstück, so wurde sie um 1700 sowohl verkürzt als auch vereinfacht. Von nun an hatte sie weder Ärmel noch einen Kragen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Westen des dreiteiligen Anzugs aus einem anderen Stoff als die Jacke und die Hose genäht. Später änderte sich die Mode und die Weste, Jacke und die Hose waren aus ein und demselben Stoff hegestellt. Mit der Einführung der Armbanduhr, verlor die Weste mehr und mehr an Bedeutung als Aufbewahrungsort für die Taschenuhr.  Ab Mitte des 20. Jahrhunderts setzte sich der Zweiteiler durch. Zeigte sich denn niemand mehr in der Öffentlichkeit mit einem dreiteiligen Anzug? – Doch. Im Jahr 1977 trat John Travolta mit einem weißen Dreiteiler und einem schwarzen Hemd in dem Tanzfilm Saturday Night Fever auf. Das löste eine Sogwirkung auf die Diskogängerszene aus. Die Frühjahr- und Sommerkollektion von Burberry im Jahr 2020 beinhaltete noch einen Dreiteiler für die Damenwelt.

    Welche Vorzüge hat ein Anzug mit Weste

    Der größte Vorzug des Dreiteilers besteht darin, dass die Jacke offenbleiben kann, wenn man eine Weste darunter trägt. Als Faustregel gilt: Zum Anzug wird die Männerweste geschlossen getragen. Der unterste Knopf wird dabei, wie beim Sakko auch, offen gelassen.  Es läuft sich mit offener Jacke einfach angenehmer. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Innentaschen der Jacke schneller erreicht werden können, in denen heutzutage in der Regel das Mobiltelefon seinen Platz findet. Wenn die Weste die richtige Länge hat, verdeckt sie die Gürtelschnalle vollends. Außerdem trägt die Weste dazu bei, dass die gebundene Krawatte ihren Platz beim Vorbeugen beibehält und keinen Krawattenhalter benötigt. Und wenn das Bäuchlein des Mannes über den Gürtel zu ragen beginnt, lässt eine gutsitzende Weste die Speckfalte unsichtbar werden. Dreiteilige Anzüge aus Wolle für die kältere Jahreszeit können eine Übergangsjacke entbehrlich werden lassen. Wenn bei einem feierlichen Essen darum gebeten wird, wegen der herrschenden Hitze die Jacken ausziehen, sind alle Männer mit einem Zweiteiler dabei, ihre Krawatte zu richten, weil sie beim ersten Löffel Suppe nass werden würde. Die Herren mit einem Westenanzug nicht.

    Nachteile eines Anzugs mit Weste

    Viele werden den Westenanzug in die Rubrik Old Fashion schieben, ohne ihn je getragen zu haben. Da viele, auch namhafter Hersteller von Anzügen, den Dreiteiler nicht mehr produzieren, wird die Auswahl stetig kleiner. Vielleicht gehen die Produzenten auch davon aus, dass ausschließlich die ältere finanzkräftige Generation als Käuferschicht in Frage kommt, jedenfalls sind hochwertige Westenanzüge, die nicht das Zeichen Polyester auf der Innenseite der Weste tragen, recht teuer. Da kann ein Anzug aus echter Seide auch mal einen vierstelligen Betrag kosten. Eine kleine Randerscheinung zu dem Thema sind die Reinigungsfirmen. Sonderangebote zur Reinigung von Anzügen beziehen sich in der Regel immer auf einen Zweiteiler. Demzufolge kostet die Reinigung der Weste immer einen Extra-Betrag.

    Die Krawatte zum Anzug

    Mit den kroatischen Soldaten im 30-jährigen Krieg in Frankreich begann der Siegeszug der Krawatte. Damals diente dieses Halstuch nur dazu, Freund und Feind besser auseinanderhalten zu können. Das französische Wort -Cravat- bedient sich der Nationalitätsbezeichnung der Kroaten, -la croate- Wem heute englische Schuluniformen begegnen, wird auch zwingend die Krawatten dazu sehen. Denn schon im Jahr 1880 bestellte die Universität in Oxford die ersten Vereinskrawatten. Ein anderes Wort für Krawatte ist der Schlips, im schwedischen heißt die Krawatte -Slips-, beides abgeleitet aus dem englischen Slip=Streifen. Schon in den 60er Jahren gab es in Deutschland Krawatten für Kinder, die fertig gebunden mit einem kleinen Harken versehen, hinter dem obersten Knopf des Hemdes befestigt wurden. Welcher Krawattenknoten gerade Konjunktur hat, kann man in der Klatschpresse nachlesen. Nach einer mathematischen Studie stehen 177.417 Möglichkeiten sich seine Krawatte zu binden zur Wahl. Neben sehr schmalen Lederkrawatten oder aus Wolle gefertigten Krawatten haben sich im Wandel der Zeit Seidenkrawatten den ersten Platz erobert. Es gibt sehr unterschiedliche Aussagen darüber, welche Krawatte zu welchem Hemd passt, aber eines ist sicher, zu einem weißen Hemd passt jede Farbe von Krawatte.

    Die Fliege zum Anzug

    Die Fliege, auch Querbinder genannt, tauchte im 17. Jahrhundert immer häufiger und weitaus üppiger als heute, an den Hälsen vornehmer Herren auf. Erst um das Jahr 1870 wurde die Form der Fliege auf das Maß, dass wir heute kennen reduziert; auch bei Hochzeiten wird sie gern getragen. Die Snookerspieler tragen sie bei Turnieren. Zum Smoking oder Frack ist sie schon immer ein Muss, genauso wie bei Butlern oder Kellner in der gehobenen Gastronomie. Selbstverständlich gibt es sie in einer vorgebundenen Variation für Personen, die sich das Fliege binden nicht zutrauen. Es sieht keinesfalls Old Fashioned aus, wenn Sie zur vorgerückter Stunde Ihre Fliege lösen und mit dem Dreiteiler weiter an der Veranstaltung teilnehmen; das Legere kommt gut an, versprochen.

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